Offener Brief: Am 27. Januar – Kein Gedenken an die Opfer des Naziregimes zusammen mit der AfD!

11. Januar 2019

Auf einer Mitgliederkonferenz der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. am 1. Dezember 2018 beschlossen die Teilnehmenden sich ausdrücklich öffentlich gegen die Teilnahme von AfD-Funktionär*innen an öffentlichen Gedenkveranstaltungen auszusprechen. Vertreter*innen einer Partei, deren Parteiführung und Funktionär*innen immer wieder die Verbrechen der Wehrmacht relativieren, in NS-Gedenkstätten provozieren und das Erinnern an den NS als „Verengung der deutschen Erinnerungskultur“ (Grundsatzprogramm der AfD) begreifen, sind auf solchen Veranstaltungen nach unserer Meinung fehl am Platz.

Die  AfD nutzt ihre Teilnahme an Gedenkveranstaltungen lediglich, um sich als vermeintlich ganz normale demokratische Partei darzustellen, die sie für uns nicht ist. Die AfD ist das größte  parteiförmige Sammelbecken für Nationalist*innen, Rassist*innen und Antisemit*innen in Deutschland.

Berlin, Januar 2019

Wir würden uns über Unterstützer*innen (Einzelpersonen und Organisationen) freuen, die den offenen Brief unterschreiben.

Mail an Berliner VVN-BdA e.V.:  berlin@vvn-bda.de

Offener Brief

Am 27. Januar – Kein Gedenken an die Opfer des Naziregimes zusammen mit der AfD!

Die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) wurde von Menschen gegründet, die den Nazismus als Negation der Demokratie und der Menschenwürde, als Regime des Massenmordes erlitten und gegen ihn Widerstand geleistet hatten. Den Überlebenden der Verfolgung aus rassistischen und politischen Gründen, der millionenfachen Vernichtung jüdischer Menschen sowie der Sinti und Roma, und auch den Nachkommen der Verfolgten und Widerstandskämpfer*innen fühlen wir uns verpflichtet. Bis heute sind die letzten Überlebenden der Naziverfolgung und ihre Nachkommen ein beträchtlicher Teil unserer Mitgliedschaft.

Deshalb appellieren wir an die demokratische Öffentlichkeit Berlins, die demokratischen Politiker*innen auf Landesebene, die Bezirksbürgermeister*innen, die demokratischen Stadträt*innen und BVV-Fraktionen, an alle, die bezirkliche und städtische Gedenkveranstaltungen ausrichten: Am 27. Januar – kein Gedenken an die Opfer des Naziregimes zusammen mit der AfD! Laden Sie die rechtspopulistischen und rechtsextremen Feinde der Demokratie nicht ein, sondern laden Sie sie aus! Nutzen Sie Ihre vielfältigen politischen Möglichkeiten zur klaren Positionierung in der Erinnerungskultur! Es liegt in Ihrer Hand.

Lea Rosh, die Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V., gab am 9. November 2018 ein nachdrückliches Beispiel. Sie hinderte den Vertreter der AfD daran, sich am Gedenken zu beteiligen. Unerträglich und schmerzhaft ist es, dass die überlebenden Opfer des NS, ihre Kinder und Enkel in ihrer Trauer von Vertreter*innen einer Partei gestört werden, die Nazis, Antisemit*innen und Geschichtsfälscher*innen in ihren Reihen duldet. Ermöglichen Sie den Überlebenden und ihren Nachkommen ein würdiges Gedenken.

Die AfD nutzt ihre Teilnahme an Gedenkveranstaltungen, um sich als vermeintlich ganz normale demokratische Partei darzustellen. Gleichzeitig führt sie einen fundamentalen Angriff auf die Erinnerungskultur in Deutschland. In der kritischen Aufarbeitung der deutschen Geschichte sehen die rechtsextremen und rechtspopulistischen Kräfte nur ein Hindernis auf dem Weg zu neuer nationaler Größe. Im Grundsatzprogramm der AfD heißt es: „Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die positiven, identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst.“ Was die AfD damit meint, hat Björn Höcke deutlich gemacht, als er im Januar 2017 in Dresden eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad” für Deutschland forderte. Laut Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD im Bundestag, werde die AfD „nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen” und „die Deutschen“ hätten überdies das Recht, stolz zu sein auf „Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Für ihn sei die Zeit des NS-Regimes nur ein „Vogelschiss” in der deutschen Geschichte.

Für die AfD ist ihr geschichtsrevisionistischer Angriff von zentraler Bedeutung zur Aushöhlung der offenen Gesellschaft und deren schrittweise Transformation in einen autoritären Obrigkeitsstaat. Demokrat*innen sollten diesen Angriff entschlossen zurückweisen, gerade am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des NS, dem internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts, dem Jahrestag der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee.

Wir appellieren noch einmal an Sie: Laden Sie die AfD vom Gedenken aus!

Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. (Berliner VVN-BdA e.V.)

Erstunterzeichnende:

Stand 17.01.2019

Peter Neuhof, Sohn eines ermordeten Widerstandskämpfers und Überlebender der Shoah

Volkmar Harnisch, Haft im faschistischen Gefängnis wg. Vorbereitung zum Hochverrat

Werner Knapp, antifaschistischer Widerstandskämpfer

Vera Friedländer, Überlebende einer großen jüdischen Familie

Lore Diehr, Arbeiterwiderstand in Berlin (im Umkreis der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation)

Charlotte Florian, Überlebende der NS-Zwangsarbeitslager Bialystok und Rabensbrück (Ostpreußen)

Franz Gützlaff, verfolgt als Kind einer jüdischen Mutter

Angelika Menger

Karl-Heinz Berndt

Dr. Beate Sulanke, in Sippenhaft genommen

Horst Selbiger, Child Survivor

Werner Zarrach, Shoa-Überlebender

Dr.Hans.Coppi, Sohn von Hilde und Hans Coppi. Sie wurden als Mitglieder der Widerstandsgruppe „Roten Kapelle,“ von den Nazis in Plötzensee hingerichtet.

Antje Kosemund, geb. Sperling. Ihre kleine Schwester Irma wurde im Euthanasiepogramm der Nazis ermordet.

Klaus Lemmnitz, Sohn politischer KZ-Häftlinge

Ursula Gögge, Hinterbliebene

Elke Bredel, Nachkomme

Gerhard Langguth, Nachkomme

Wolfgang Herzberg, Nachkomme

Eva Nickel, Nachkomme einer Shoah-Überlebenden

Oswald Schneidratus, Nachkomme von in der UdSSR repressierten und ermordeten deutschen Antifaschisten.

Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin, Dr. Moshe Abraham Offenberg

Maja Wiens / Tochter eines Verfolgten , Schriftstellerin

Małgorzata Anna Wilhelm geb. Nowicka, Urenkelin eines Auschwitz-Überlebenden

Andrea Halbritter, Nachkomme

Antonio Leonhardt, Nachkomme

 Tamen Zimpel, Nachkomme

Monika Seiffert, Tochter von KZ- bzw. Gefängnishäftlingen

Vera Dehle-Thälmann,  Nachkomme

Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V

Annerose Allex, Enkelin einer Verfolgten des NS-Regimes

André Lohmar

Hans Rentmeister, Eltern und sieben weiter Angehörige Widerstandskämpfer; KZ, Zuchthaus, Gefängnis, Interbrigaden in Spanien, NKFD, Emigration

 John Sieber, Nachkomme

Andrée Fischer-Marum,Ludwig Marum, Enkel des am 29. März 1934 im KZ Kislau ermordeten Sozialdemokraten Ludwig Marum, Kinder der verfolgten und erzwungernermaßen emigrierten Hans und Sophie Marum,. geb. Gradenwitz

Sonja Kosche, Nachkomme einst als „Zigeuner“ Verfolgter vom Bündnis Zurale! Laut für Roma

Kurt Hillmann, Überlebender der Shoah

Prof. Dr. Günther Glaser, antifaschistischer Widerstandskämpfer

Unterstützer*innen

Renate Jagoda

Jakob Paul Wilhelm

Moabit hilft e.V.

GRIPS Theater, Leiter Philipp Harpain

NaturFreunde Berlin

Uwe Hiksch, Bundesvorstand NaturFreunde Deutschlands

Irmela Mensah-Schramm

Dr. Günter Wehner, Historiker

Kein Bock auf Nazis (unterstützt, vernetzt und informiert seit 2006 Jugendliche zum Thema Rechtsextremismus)

Vorstand Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte

Kuratorium Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte

UBI KLiZ e. V.

Initiative gegen Rechts Friedrichshain

Register Friedrichshain-Kreuzberg

Spandauer Bündnis gegen Rechts

Anne-L. Düren, Antifaschistin

Anwohner*inneninitiative „Hufeisern gegen Rechts“, Neukölln-Britz

Dr. Oliver Reschke, Historiker

Peter Schrott

Uta Hartwigsen

Hans-Jürgen Heusel, GEW

Erinnerung heißt Widerstand- VVN-BdA Kaiserslautern

Julia Scharf

Wolf Dieckmann

Marlis Michel

Michael Heinecke

Carla Homann-Schartl

Ehrengard Heinzig

Doris Hammer Sozial-und Arbeitsmarktpolitische Sprecherin Fraktion DIE LINKE in der BVV Neukölln

Rainer Woltmann

Josef Keldenich

Andrea Halbritter, Weiße Rose Gemeinschaft

Heiko Thamm

Marlis Michel

Stefan Glaubitz

Sven Hensen

Petra Blang