Nein zu geschichtsrevisionistischen Faschismus-Vergleichen

23. November 2020

23. November 2020

Erklärung der Bundesvereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten zu den sich häufenden NS-Verharmlosungen und antisemitischen Vereinnahmungen der sogenannten „Querdenker“

Unter den Veranstalter:innen der Corona-Protestaktionen kommt es zunehmend in Mode, Faschismus relativierende Vergleiche in ihren Bühnenauftritten und Darstellungen einzubauen. Waren es zuerst „Judensterne“, die mit Losungen gegen eine angebliche Zwangsimpfung versehen auf Kundgebungen gezeigt wurden, oder Plakate gegen die „Merkel-Diktatur“, gab in den letzten Tagen weitere gezielte Provokationen. In Stuttgart schoben Eltern eine Elfjährige auf die Bühne, die unter dem Beifall der Zuhörer:innen erzählen durfte, sie habe sich wie Anne Frank gefühlt, weil sie ihren Geburtstag nur heimlich mit Freundinnen feiern konnte.

Vergangene Woche skandierten Demonstrant:innen in Berlin bei der Beratung des Bundestages über das Infektionsschutzgesetzes, man müsse „Widerstand gegen ein neues Ermächtigungsgesetz“ leisten. In Hamburg hatten die „Querdenker 40“ geplant, ihren „Schweigemarsch“ am 22.11.2020 zum Ida-Ehre-Platz führen, der an die als Jüdin im NS verfolgte Schauspielerin erinnert. Eine Blockade von Gegendemonstrant:innen wurde unter Androhung eines Wasserwerfer-Einsatzes mit Schlagstöcken und Pfefferspray von der Hamburger Polizei von der Route vertrieben, konnte allerdings verhindern, dass die Kundgebung auf dem Ida-Ehre-Platz stattfinden konnte.

Am Wochenende toppte eine 22-jährige „Jana aus Kassel“ dieses schäbige Verhalten, indem sie auf der Kundgebung von Corona-Kritiker:innen in Hannover sich mit Sophie Scholl verglich, da auch sie nicht aufhören wolle, für die Freiheit zu kämpfen. Dass ihr Auftritt gründlich misslang, war einem Ordner zu verdanken, dem bei diesen Thesen der Kragen platzte und der ihr während ihrer Ansprache offensiv entgegentrat.

Wenn Nazis und Verschwörungsideologen den öffentlichen Raum beanspruchen: sag NEIN. Wenn Überlebende der Shoah für antisemitische Verschwörungsmythen in Anspruch genommen werden sollen: sag NEIN!

Solche Faschismus-Vergleiche sind bei den Organisator:innen der Corona-Proteste keine „Ausrutscher“, sondern bewusste Grenzüberschreitungen. Man versucht erstens die in der Mehrheit der Bevölkerung vorhandene Grundeinstellung über die faschistischen Verbrechen für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Gleichzeitig wird damit eine Verharmlosung der tatsächlichen NS-Herrschaft betrieben, indem aktuelle administrative Maßnahmen zur Bekämpfung einer medizinischen Pandemie mit dem systematischen Staatsterror des NS-Regimes gegen politisch Andersdenkende, gegen religiöse und rassistisch Verfolgte gleichgesetzt werden.

In der Konsequenz folgt daraus: das Naziregime mit seinen Massenverbrechen kann gar nicht so schlimm gewesen sein. Bei solchem Geschichtsrevisionismus wird auch verständlich, warum sich „Reichsbürger“ und Neonazis bei diesen Veranstaltungen durchaus zuhause fühlen. Hier treffen sich verwandte Überzeugungen – nicht nur in der Kritik der Entscheidungen der Bundes- und Landesregierungen.

Deshalb ist es richtig und wichtig, wenn Demokrat:innen sich solchen Corona-Protesten aktiv widersetzen. Die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand, das Gedenken an die millionenfachen Opfer der faschistischen Vernichtungspolitik und der militärischen Expansion verpflichtet uns, gegen jede Form von alltäglichen Geschichtsrevisionismus aufzutreten.

Ulrich Schneider, Bundessprecher VVN-BdA

Veranstaltungen in Berlin zum 9.November 2020 (Auswahl)

6. November 2020

Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen.“

Dieses Diktum des Auschwitzüberlebenden Primo Levi bleibt und ist uns
Verpflichtung. Dem Gedenken an die deutschen NS-Verbrechen auch weiterhin Gehör zu
verschaffen sowie Konsequenzen daraus einzufordern, bleibt die
wichtigste Aufgabe für alle Antifaschistinnen.

Wir gedenken am 9. November 2020 auch dieses Jahr der antisemitischen Novemberpogrome 1938

82. Jahrestag der PogromnachtKein Vergessen, kein Vergeben!

Gedenkkundgebung 9. November 2020 | 18.30 Uhr | Mahnmal Levetzowstraße, Berlin Moabit

Als Organisation von ehemaligen Widerstandskämpfer:innen und Verfolgten des Naziregimes hoffen wir, dass trotz der nötwendigen Einschränkungen durch die Covid 19 Pandemie viele Menschen
die Erinnerung an die Pogromnächte dazu nützen werden, ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und der Solidarität mit den hier lebenden Jüdinnen und Juden zu setzen.

Wir haben für die Kundgebung ein Hygiene- und Abstandskonzept erarbeitet und  die Polizei gebeten uns ein weitläufigeres Areal für die Kundgebung zu gestatten. Auf unserer Veranstaltung gilt Maskenpflicht! Unsere Ordner:innen werden dafür sorgen, dass jed:e ihren Platz findet. Von einer Demonstration sehen wir dieses Jahr leider ab. Fühlt euch herzlich eingeladen aber bitte keineswegs verpflichtet zu unserer Kundgebung zu kommen. Nutzt auch Möglichkeiten und Ideen zum dezentralen und individuellen Gedenken. (Und berichtet uns davon.)
„Dann kam die ‚Kristallnacht’. Niemand wusste was Genaues … wir wussten, sie würden irgendetwas tun, aber dass es annähernd so etwas geben würde wie die ‚Kristallnacht’, hatte man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Es war schrecklich. Die Situation veränderte sich von einem Moment zum Nächsten.”
Benjamin Sommer, Yad Vashem Archiv VD 1366.

Einige unserer Redner:innen

Als Zeitzeuge und vor allem Antifaschist wird  Kurt Hillman, geboren 1933 im jüdischen Krankenhaus in Berlin, reden. Er überlebte den Naziterror, die Shoa mit viel Glück und solidarischer Hilfe.

Wir freuen uns auf Ellen Händler (*1948), als Vertreterin der Zweiten Generation.  Sie entstammt einer jüdischen Familie, die während der Nazizeit mehr als 80 Angehörige verloren hat.

Wir möchten Abschied nehmen von unserer Freundin Andrée Thérèse Leusink (1938 (Paris) -2020 (Berlin)). Sie hat mehrfach als Zeitzeugin auf unserer Kundgebung geredet.

Naomi Henkel-Gümbel ist Überlebende des Halle-Anschlags und eine von 43 Nebenkläger*innen im Prozess gegen den Attentäter.

Wir freuen uns auch, Vertreter.innen vom Ken Berlin der Hashomer Hatzair begrüßen zu können. Die sozialistisch-jüdische Jugendbewegung wurde 1938 von den Nazis verboten und gründete sich 2011 neu in Berlin.

 Die Initiative „Wir waren Nachbarn“ wird ihren neuen Gedenkrundgang vorstellen

Für die musikalische Unterstützung sorgt die Gruppe Zhetwa.

 Vor Ort wird es die Gelegenheit geben Blumen niederzulegen.

Auch für heißen Tee ist gesorgt.

http://9november.blogsport.eu/


Rundgang „Jüdisches Leben in Pankow“ 

So, 8.11.2020 Haupteingang Rathaus Pankow, Breite Str. 24A-26, 13187 Berlin, Beginn: 10.30 Uhr

Unser Rundgang auf Grundlage von Dr. Inge Lammels Veröffentlichungen nimmt diesmal nicht die gewohnte Route. Es geht auch bei der ehemaligen Glaserei Selbiger vorbei, die in der Pogromnacht von 1938 entglast wurde. Allgemeine Informationen und Lebensgeschichten zu anderen Bereichen jüdischen Lebens und der Verfolgung durch das NS-Regime wird es ebenso geben. Mit Internetverbindung auf einem mobilen Endgerät gibt es die Möglichkeit, digitales Bild- und Audiomaterial zu nutzen, und die Stationen, die wir am 8.11. nicht schaffen, selbst zu besuchen: http://rg.admin-box.com (Bitte die App-Einleitung lesen und schließen).


Pankow: Weissensee/ Prenzlauer Berg
Kranzniederlegungen am 9. November 2020 auf den Jüdischen Friedhöfen

In Erinnerung an die Pogrome vom 9. November 1938 finden in Pankow am Montag, dem 9. November 2020 zwei Gedenkveranstaltungen statt. Im stillen Gedenken an die Opfer legen der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Pankow, Michael van der Meer und Bezirksbürgermeister Sören Benn (beide Die Linke) um 11 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee, Herbert-Baum-Straße, Kränze nieder.

Anschließend wird um 12 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee 25 die VVN-BdA Prenzlauer Berg an den 9. November 1938 erinnern. Es spricht Renate Kirchner. Vor 82 Jahren wurden jüdische Bürgerinnen und Bürger misshandelt und getötet. Geschäfte jüdischer Inhaber wurden geplündert, Synagogen zerstört und in den folgenden Tagen tausende jüdische Deutsche in Konzentrationslager verschleppt.

Beide Veranstaltungen sind öffentlich. Gäste werden gebeten, einen Mund-Nasenschutz anzulegen und auf ausreichend Abstand zu achten. Die VVN-BdA nimmt an den Veranstaltungen teil.


Gedenken zum 82. Jahrestag der November-Pogrome 1938Kein Vergeben – Kein Vergessen! Gegen jeden Antisemitismus!Sonntag, 8. November 202015 Uhr | Schloßplatz Köpenick

Stadtrundgang: Jüdisches Leben in der Köpenicker Altstadt mit Gerd Lüdersdorf, Autor des Buches „Es war ihr Zuhause. Juden in Köpenick“, und Gedenken an der Tafel für die ehemalige Synagoge

ACHTUNG: Aufgrund der COVID-19-Pandemie gilt es auf allen Veranstaltungen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten!

Weitere Veranstaltungen:

FÄLLT AUS! 8. November | 11.00 Uhr | Rathaussaal Treptow (Neue Krugallee 4):Matinee des BdA Treptow mit Anetta Kahane, Amadeu Antonio StiftungMusik: Roman Shamov


7.11.2020, 14 Uhr, Gedenkrundgang, Charlottenburger/Tassostr. / Weissensee (VVN-BdA)

9.11.2020, 11 Uhr, Kranzniederlegung, Jüdischer Friedhof Weißensee, Herbert-Baum-Straße

In Erinnerung an die Pogrome vom 9. November 1938 finden in Pankow am Montag, dem 9. November 2020 zwei Gedenkveranstaltungen statt. Im stillen Gedenken an die Opfer legen der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Pankow, Michael van der Meer und Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) um 11 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee, Herbert-Baum-Straße, Kränze nieder. Anschließend wird um 12 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee 25 an den 9. November 1938 erinnert. Vor 82 Jahren wurden jüdische Bürgerinnen und Bürger misshandelt und getötet. Geschäfte jüdischer Inhaber wurden geplündert, Synagogen zerstört und in den folgenden Tagen tausende jüdische Menschen in Konzentrationslager verschleppt. Beide Veranstaltungen sind öffentlich. Gäste werden gebeten, einen Mund-Nasenschutz anzulegen und auf ausreichend Abstand zu achten.


9. November: Gedenken an die Novemberpogrome

Alljährlich gedenkt das Bezirksamt Lichtenberg am 9. November der Opfer der Novemberpogrome von 1938. In diesem Jahr wird das Gedenken in kleinem Rahmen stattfinden. Den Opfern gilt ein gemeinsames ehrendes Gedenken in Lichtenberg am Montag, 9. November 2020, am Gedenkstein Konrad-Wolf-Straße 91.

Der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst (Die Linke), ruft zu individuellem Gedenken an dem Tag auf: „Ganz gleich wie turbulent die Zeiten um uns herum sind, wir werden mahnen und erinnern – Gegen das Vergessen.“

Der Bezirksbürgermeister wird ein Gebinde niederlegen.

Hintergrund
Die Jüdische Gemeinde in Hohenschönhausen war sehr klein. Als die Nationalsozialisten begannen Juden zu verfolgen, wandelten die Gemeindemitglieder ihren Betraum in der Konrad-Wolf-Straße in eine Synagoge um. Erst 1935 wurde sie geweiht. Bereits 1938 musste die Gemeinde ihre Tätigkeit wieder einstellen. Denn die Mitglieder der Gemeinde wurden – wie in ganz Deutschland und Europa – in Konzentrationslager deportiert. Nach 1945 war die Synagoge in Vergessenheit geraten.
Erst mit den Forschungen zur jüdischen Geschichte, die in den 1990er Jahren mit der Ausstellung „Juden in Weißensee und Hohenschönhausen“ im damaligen Heimatmuseum an die Öffentlichkeit gelangten, kam auch die Synagoge wieder in Erinnerung. Im Zusammenhang mit dem einhundertsten Geburtstag von Victor Aronstein entstand die Broschüre „Juden in Hohenschönhausen. Eine Spurensuche“, mit der auf das jüdische Leben in Hohenschönhausen aufmerksam gemacht wurde.
Zum 51. Jahrestag der Novemberpogrome entstand die Idee, an dem vergessenen Ort einen Gedenkstein zu errichten: Enthüllt wurde der Stein im Jahr 2000.

Stolpersteinspaziergang am 09.11. um 17:00 Uhr in der Hagenstraße 50a

VVN-BdA – Lichtenberg


Kranzniederlegung am 9. November 2020 in Steglitz-Zehlendorf

Aus Anlass des 82. Jahrestages der nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen am 09. November 1938 werden die Bezirksverordnetenversammlung und das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin, der Reichspogromnacht gedenken.

Die Gedenkfeier und Kranzniederlegung findet,

am Montag, dem 09. November 2020, um 16:00 Uhr,
an der Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz

statt. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlichst zum gemeinsamen Gedenken eingeladen und nehmen unter Beachtung der Abstandsregelungen nach der Verordnung über erforderliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in Berlin in eigener Verantwortung teil. Kann der Abstand von 1,5 m nicht eingehalten werden, bitten wir um das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.


Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht

Spaziergang durch Charlottenburg, vorbei an den Orten der Verbrechen.
Kommt dafür um 17 Uhr zum U-Bhf Wittenbergplatz, am 9.11.2020

vor genau 82 Jahren fand in Deutschland und Österreich eine brennende Hetzjagd gegen Jüd:innen statt.
Sie markierte den Übergang zu der systematischen Ermordung und Verfolgung von Jüd:innen, Homosexuellen, Menschen mit Behinderung und/oder Andersdenkenden.
In dieser Nacht wurde Menschenverachtung legitimiert und Hass zum status quo. Die Nacht gilt als Symbolbild für die Jahre, der unterdrückerischen Verbrechen der Nazis.
Dieses Jahr haben wir mitbekommen, wie schnell in Deutschland die politische Stimmung wieder kippen kann und vor allem wie schnell sich rassistisches, antisemitisches und sexistisches Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft verbreiten kann.
Die Gedanken der Verschwörungstheoretiker:innen, die seit Monaten durch Berlin und vor allem Charlottenburg-Wilmersdorf laufen, sind zutiefst geprägt von einem Menschenhass und einer Gewalt, die, wie man in den letzten Monaten gesehen, hat immer wieder ausgebrochen ist.
Wir dürfen das, was vor 82 Jahren passiert ist, nicht wieder geschehen lassen. Wir müssen aufstehen und Haltung zeigen, gegen Hass und Hetze. Und wir müssen den Opfern gedenken, die Rassismus in Deutschland gefordert hat.
Deswegen laden wir euch ein zu einem Spaziergang durch Charlottenburg, vorbei an den Orten der Verbrechen.
Kommt dafür um 17 Uhr zum U-Bhf Wittenbergplatz, am 9.11.

Wir freuen uns auf euch.
F_AJOC Berlin

https://fantifacharlottenburg.blackblogs.org/2020/11/03/gedenken-an-die-opfer-der-reichspogromnacht/


9. November 2020 17:00 Uhr
Berlin, Bahnhof Kaulsdorf
Gedenkgang
zu den in Kaulsdorf verlegten Stolpersteinen

Treff am S-Bahnhof Kaulsdorf.


Kranzniederlegung / Schöneberg

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Bezirksverordnetenvorsteher Stefan Böltes laden zum gemeinsamen Gedenken ein:

  • Montag, 09. November 2020 um 17:30 Uhr
  • Mahnmal der ehemaligen jüdischen Synagoge
    Münchener Straße 38, 10779 Berlin

Musikalisch umrahmt wird die Kranzniederlegung durch den Klarinettisten Nur Ben Shalom mit den Stücken „Shalom Aleichem“ und „Erinnerungs Niggun aus Israel“.

Bitte melden Sie sich vorab per Online-Anmeldeformular oder telefonisch für die Veranstaltung an.

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme.


Erinnern und gedenken
Westend. Am Montag, 9. November, gedenken der Verein Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus, die Stolperstein-Initiative, der Siedlerverein Eichkamp und die Evangelische Friedensgemeinde in der Tannenbergallee an die Pogromnacht 1938. Dazu sind Bürger eingeladen, an einem Erinnerungsweg teilzunehmen. Beginn ist um 17 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz am S-Bahnhof Messe Süd/Waldschulallee. Der Weg führt über sechs Stationen zur Friedensgemeinde in der Tannenbergallee. An den Stationen wird es Informationen geben, es werden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt. Der Weg wird musikalisch begleitet von dem Saxophonisten Friedemann Graef


Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen.

5. November 2020

Dieses Diktum des Auschwitzüberlebenden Primo Levi bleibt und ist uns
Verpflichtung. Dem Gedenken an die deutschen NS-Verbrechen auch weiterhin Gehör zu verschaffen sowie Konsequenzen daraus einzufordern, bleibt die wichtigste Aufgabe für alle Antifaschist:innen.

Wir gedenken am 9. November 2020 auch dieses Jahr der antisemitischen Novemberpogrome 1938

82. Jahrestag der Pogromnacht

Kein Vergessen, kein Vergeben!

Gedenkkundgebung

9. November 2020 | 18.30 Uhr | Mahnmal Levetzowstraße, Berlin Moabit

Als Organisation von ehemaligen Widerstandskämpfer:innen und Verfolgten des Naziregimes hoffen wir, dass trotz der nötwendigen Einschränkungen durch die Covid 19 Pandemie viele Menschen
die Erinnerung an die Pogromnächte dazu nützen werden, ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und der Solidarität mit den hier lebenden Jüdinnen und Juden zu setzen.

Wir haben für die Kundgebung ein Hygiene- und Abstandskonzept erarbeitet und  die Polizei gebeten uns ein weitläufigeres Areal für die Kundgebung zu gestatten. Auf unserer Veranstaltung gilt Maskenpflicht! Unsere Ordner:innen werden dafür sorgen, dass jed:e ihren Platz findet. Von einer Demonstration sehen wir dieses Jahr leider ab. Fühlt euch herzlich eingeladen aber bitte keineswegs verpflichtet zu unserer Kundgebung zu kommen. Nutzt auch Möglichkeiten und Ideen zum dezentralen und individuellen Gedenken. (Und berichtet uns davon.)

„Dann kam die ‚Kristallnacht’. Niemand wusste was Genaues … wir wussten, sie würden irgendetwas tun, aber dass es annähernd so etwas geben würde wie die ‚Kristallnacht’, hatte man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Es war schrecklich. Die Situation veränderte sich von einem Moment zum Nächsten.”
Benjamin Sommer, Yad Vashem Archiv VD 1366.

Einige unserer Redner:innen

Als Zeitzeuge und vor allem Antifaschist wird  Kurt Hillman, geboren 1933 im jüdischen Krankenhaus in Berlin, reden. Er überlebte den Naziterror, die Shoa mit viel Glück und solidarischer Hilfe.

Wir freuen uns auf Ellen Händler (*1948), als Vertreterin der Zweiten Generation.  Sie entstammt einer jüdischen Familie, die während der Nazizeit mehr als 80 Angehörige verloren hat.

Wir möchten Abschied nehmen von unserer Freundin Andrée Thérèse Leusink (1938 (Paris) -2020 (Berlin)). Sie hat mehrfach als Zeitzeugin auf unserer Kundgebung geredet.

Naomi Henkel-Gümbel ist Überlebende des Halle-Anschlags und eine von 43 Nebenkläger*innen im Prozess gegen den Attentäter.

Wir freuen uns auch, Vertreter.innen vom Ken Berlin der Hashomer Hatzair begrüßen zu können. Die sozialistisch-jüdische Jugendbewegung wurde 1938 von den Nazis verboten und gründete sich 2011 neu in Berlin.

Für die musikalische Unterstützung sorgt die Gruppe Zhetwa.

 Vor Ort wird es die Gelegenheit geben Blumen niederzulegen.

Auch für heißen Tee ist gesorgt.

Zum Bündnisaufruf: http://9november.blogsport.eu/

Zur Broschüre: http://9november.blogsport.eu/files/2020/10/broschuere_9_nov_a4_2020-web.pdf

Laut, entschlossen, kämpferisch: Die Kundgebung am 21.10.2020 – Bericht und Presseschau

30. Oktober 2020

30. Oktober 2020

Abgeordnetenhaus, Antifaschismus, Berlin, Gemeinnützigkeit, Kundgebung

© Christian Schneider

„Das Haus brennt und Sie sperren die Feuerwehr aus“: Dieser mahnenden Anklage der VVN-BdA-Ehrenvorsitzenden Esther Bejarano folgten am 21.10.2020 rund 250 Antifaschist:innen, um bei der Kundgebung „Antifaschismus muss gemeinnützig bleiben!“ vor dem Berliner Abgeordnetenhaus ihre Solidarität mit der VVN-BdA auszudrücken.

Esther Bejarano wendete sich in ihrem Ausspruch an Finanzminister Olaf Scholz, mit der Kundgebung sollte nun auch die rot-rot-grüne Regierung und der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz in die Verantwortung genommen werden. Kämpferische Stimmung begleitete die Reden der Bundesvorsitzenden Cornelia Kerth, des Buchenwald-Überlebenden Günter Pappenheim (verlesen von Jutta Harnisch), von Stephan Lindner von Attac, des Linken-Politikers und Anschlagsopfer der Neuköllner Neonazi-Terrorserie Ferat Kocak, der stellvertretenden Juso-Bundesvorsitzenden Hanna Reichhardt und von Prof. Dr. Michael Wildt, Professor für Deutsche Geschichte mit NS-Schwerpunkt an der HU Berlin (verlesen von Hannah Geiger).

© Christian Schneider

Alle Redner:innen kamen aus unterschiedlichen Zusammenhängen, doch die Stoßrichtung war klar: Der Kampf um die Gemeinnützigkeit geht alle an! Hoffen wir, dass unser Protest – und vielleicht sogar das Gespräch des Juso-Bundesvorstands mit Olaf Scholz, das Hanna Reichhardt erwähnte – Früchte tragen wird!

© Christian Schneider

Im Vorfeld der Kundgebung haben wir Interviews mit Taz, Junge Welt und Neues Deutschland geführt. Auch der alternative Radiosender „Radio Lora“ hat ein Interview mit dem Bundesgeschäftsführer Thomas Willms gesendet und das Online-Magazin „Supernova“, das an das Neue Deutschland angegliedert ist, hat ein kleines Video über uns und die Kundgebung gedreht, das online zu sehen ist. Außerdem haben wir die Kundgebung gefilmt und auf unserem Youtube-Kanal online gestellt – wer es noch nicht getan hat: gerne unseren Youtube-Kanal (VVN-BdA Bundesorganisation) abonnieren!

Hier unsere Presseschau zur Kundgebung:

Supernova-Video:

https://fb.watch/1iEoJ_3602

Artikel (Print und online):

Taz, „Antifaschisten gegen R2G“, 20.10.2020 von Susanne Mermarnia:
https://taz.de/Kundgebung-am-Mittwoch/!5720251/

Neues Deutschland, „Umkämpfte Gemeinnützigkeit“, 21.10.2020 von Lola Zeller:
https://www.neues-deutschland.de/amp/artikel/1143396.vvn-bda-umkaempfte-gemeinnuetzigkeit.amp.html

Junge Welt, „Wer uns schwächt, stärkt die AfD“, 21.10.2020 von Gitta Düperthal:
https://www.jungewelt.de/artikel/388748.antifaschismus-wer-uns-schw%C3%A4cht-st%C3%A4rkt-die-afd.html

Junge Welt, „Gemeinnützig!“, 23.10.2020 von Jan Greve:
https://www.jungewelt.de/artikel/388899.protest-der-vvn-bda-gemeinn%C3%BCtzig.html

Radiobeitrag:

Radio Lora, alternativer Hörfunksender in München, 92,4: „Das Haus brennt und sie sperren die Feuerwehr aus! Gegen den Gemeinnützigkeitsentzug des VVN-BdAs“, Interview mit Thomas Willms,
http://lora924.de/?p=51587%20und%20https://www.freie-radios.net/104939

Youtube-Mitschnitte der Kundgebung:

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

Teil 5:

Teil 6:

In diesem Sinne: „Das Haus brennt inzwischen lichterloh. Sperren Sie die Feuerwehr nicht weiter aus.“ (Esther Bejarano)

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