Veranstaltungen zum 27. Januar /Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus / Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

23. Januar 2017

15-01-PlakatAuschwitz_fertig_v1web-300x205Liebe Leute,

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee  das deutsche Vernichtungslager Auschwitz.

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus/ Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust finden in Berlin zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt.

Einige, darunter natürlich die Veranstaltungen der VVN-BdA, aber auch einige andere haben wir hier aufgelistet. Empfehlen möchten wir auch einen Film im Kreuzberger Regenbogenkino: Wir sind Juden aus Breslau – Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933.

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Versagt vor der Geschichte – Zum NPD-Verbotsurteil

17. Januar 2017

53-150x200An allen Gedenktagen an die Opfer des NS-Regimes, so sicher auch am bevorstehenden 27. Januar, werden von den politisch Verantwortlichen in Deutschland Reden gehalten in denen man die Verbrechen des deutschen Faschismus benennt und ein „Nie wieder!“ verspricht.

Aber wenn es darauf ankommt, die Konsequenzen aus den Millionen Opfern dieses verbrecherischen Regimes zu ziehen und zwar die allereinfachste und naheliegendste, nämlich dass die dafür verantwortlichen politischen Kräfte nie Gelegenheit erhalten dürfen einen erneuten Anlauf zur Errichtung eines ähnlichen menschenfeindlichen Regimes zu errichten, wird versagt.   Versagt vor der Geschichte – Zum NPD-Verbotsurteil weiterlesen »

Aus Fremden müssen Nachbarn werden – Wir trauern um Zygmunt Bauman

12. Januar 2017

Zygmunt Bauman_Andreas Domma_2015Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus besuchte am 6. Mai 2015 der polnische Soziologe und Widerstandskämpfer zusammen mit der Soziologin Aleksandra Jasińska-Kania die Berliner VVN-BdA. Gemeinsam mit einer Gruppe junger polnischer und deutscher Antifaschistinnen und Antifaschisten tauschten wir uns über die Notwendigkeit der Bewahrung der Erinnerung an die Shoah und die Bewahrung der Werte des antifaschistischen Widerstandes aus. Zygmunt Bauman war einer der weltweit anerkanntesten Soziologen.

1939 bei Kriegsausbruch floh der 14-Jährige aus Poznań in die UdSSR. 1944 trat er der in der Sowjetunion formierten 1. Polnischen Armee unter General Zygmunt Berling bei, die aus Sibirien-Deportierten und Flüchtlingen bestand. Er kämpfte u. a. am Pommernwall, wo er mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde. Trotz Verwundung bei Kolberg meldete er sich zum 1. Mai freiwillig zum Sturm auf Berlin. Nach dem Krieg wurde seine 4. Jan-Kiliński-Division in den Korps der Inneren Sicherheit (KBW) überführt, wo er als Major diente.

Während der antisemitischen Säuberungen im Zuge des sogenannten Slánský-Prozesses wurde er aus dem Sicherheitsapparat entlassen und begann ein Soziologie-Studium. Baumans soziologische Auseinandersetzung mit dem Holocaust begann relativ spät. Große Bedeutung hatten die Erlebnisse seiner damaligen Ehefrau Janina Bauman, die das Ghetto überlebte. Während ihr Vater als Reserve-Offizier in Katyń ermordet wurde, scheiterten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ihre Bemühungen, während des Warschauer Aufstandes in die Armia Krajowa (Heimatarmee) aufgenommen zu werden. Als Janina 1986 in London ihre Aufzeichnungen „Winter in the Morning“ [„Als Mädchen im Warschauer Ghetto“] veröffentlichte, strich sie aus dem Buch mehrere Passagen, die den Antisemitismus in Polen betrafen, u. a. die Schilderung ihrer Rückkehr nach Warschau nach mehreren Jahren im Versteck. Auf der Überfahrt wurde sie mit den Worten begrüßt: „Unglaublich! Sie sind noch immer da. Diesen deutschen Pfuschern gelang es doch nicht, alle zu vergasen!“ Diese Erinnerungen und das Bewusstsein, dass in Polen nach der Befreiung mehr als 2000 überlebende Jüdinnen und Juden ermordet wurden, finden sich auch in Baumans Studie „Dialektik der Ordnung“ wieder: „Was zum Vorschein kam, geht nicht nur die Urheber, die Opfer und die Zeugen des Verbrechens etwas an, sondern ist von größter Bedeutung für alle, die heute leben und auch in Zukunft leben wollen.“ Bauman unterstrich, dass der Völkermord keine Unterbrechung im Lebenslauf der Rechtsstaatlichkeit darstellte, sondern der planmäßige Mord an den europäischen Juden im Namen des Rechts und Ordnung geschah.

Er kritisierte den in der osteuropäischen Geschichtspolitik populären Begriff der „Wahrheit“: „Das ist gefährlich, denn selektive Erinnerungen werden als Wahrheit und einzige Wahrheit ausgegeben.“ Ironisch fügte er hinzu: „Eure Arbeit als soldiers of history ist deshalb wichtig. Ihr versucht, Widerstand und Verfolgung gegen das Nazi-Regime vor dem Vergessen zu bewahren. Denn Geschichte ist heute keine Kultur des Lernens mehr, sondern eine des Vergessens.“ Bauman hob hervor, dass er erst spät entdeckte, „[D]ass die Ursprünge des Faschismus in unserer universellen Art zu denken liegen: dem Projekt der Moderne. Eines der gefährlichsten Elemente der Nazi-Ideologie ist die Idee vom ‚unwerten Leben‘. Dieses wurde nicht nur auf Nationen bezogen, nicht nur Juden oder Homosexuelle. Es wurde auch gegenüber ‚reinen‘ Deutschen angewendet, die auf die eine oder andere Weise als defekt erklärt wurden.“ Und er mahnte: „Vergesst nicht, dass ihr mit einem Feind kämpft, der weitaus stärker ist als Faschisten-Gruppen. Es sind nicht nur die Neonazis! Ihre wesentliche Stütze ist weit breiter als sie selbst. Sie nähren sich von unserer Kultur, und unsere Kultur ist in vielerlei Hinsicht sehr unangenehm falsch. Wenn ihr wirklich dieses immer wiederkehrende Phänomen mit seinen Wurzeln vernichten wollt und die Auferstehung der extremen Rechten mit dessen Konzept des ‚unwerten Lebens‘ verhindern wollt, dann müsst ihr auch etwas gegen die Art, wie wir leben, unternehmen. Ihr dürft es nicht als isoliertes Phänomen betrachten, es hat weitreichendere Verästelungen.”

Zu der „Flüchtlingskrise“ befragt, äußerte sich Zygmunt Bauman in einem bemerkenswerten Interview im „Spiegel“ 36/2016: „Angst, Hass, Ressentiment und Ausgrenzung setzen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung in Gang. Inklusion und Integration sind die stärksten Waffen des Westens. Es gibt keinen anderen Ausweg aus der Krise, in der die Menschheit sich befindet, als Solidarität. Die Entfremdung, die Barriere zwischen uns und den Fremden, den Etablierten und den Außenseitern, muss überwunden werden. Der erste Schritt dazu ist die Aufnahme eines Dialogs. Aus Fremden müssen Nachbarn werden.“

Hans Coppi und Kamil Majchrzak

Berlin, 10. Januar 2017

Antifa-Jour-Fixe Januar 2017

4. Januar 2017

Montag, 16. Januar 2017, 18.30 Uhr ,

Café Sibylle, Karl-Marx-Allee 72 – 10243 Berlin

NS14„Mein Briefwechsel mit Nelly Sachs“

Prof. Dr. Heinrich Fink berichtet über das Leben der jüdischen Dichterin und persönliche Begegnungen mit ihr. Dazu liest Gina Pietsch aus ihrem Werk.

Die Dichterin Nelly Sachs wurde vor 125 Jahren in Berlin geboren und wuchs in ihrem jüdischen Elternhaus auf. Schon als Schülerin wurden ihre Gedichte beachtet.

Der Deportation ins KZ ist sie nur knapp entkommen. Freunde, unter ihnen Selma Lagerlöf, haben sie nach Schweden gerettet. Lebenslang blieb das Schicksal des jüdischen Volkes das Thema ihrer Dichtung.

Heinrich Fink hat sie persönlich kennengelernt und stand mit ihr im Briefwechsel. Er wird über ihre Biographie berichten.

ANTIFA Jour fixe der Berliner VVN-BdA

Immer am 3. Montag des Monat

Immer im Café Sibylle

Immer um 18.30 Uhr.

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