Die Berliner Sparkasse verweigert dem Bund der Antifaschist*innen Treptow (VVN-BdA) Kontoeröffnung  – Nach Debanking jetzt „Nobanking“?

20. April 2026

Pressemitteilung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. [Berliner VVN-BdA e.V.] Berlin den 20.4.2026

Dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) Treptow ist an Freitag, 5 Wochen nach Beantragung eines neuen Vereinskontos,  die Eröffnung von der Berliner Sparkasse verweigert worden. Eine Begründung dafür nannte das Vereinscenter der Berliner Sparkasse  „entsprechend den Gepflogenheiten des deutschen Kreditgewerbes“ in einer dreizeiligen Mail nicht. Der Vorstand des BdA Treptow legte beim Vorstand der Berliner Sparkasse Einspruch ein und wird juristisch gegen diese vorgehen, sollte dies nötig sein. 

Zuvor hatte die Postbank, Tochter der Deutschen Bank und von 1933-1945 in NS-Verbrechen verstrickt,  der Vereinigung, der auch etliche Nachfahr*innen von Opfern des Holocaust und weitere Verbrechen des NS-Regimes angehören, Anfang des Jahres ohne Angabe von Gründen das Vereinskonto gekündigt. Ab 1.Mai steht unsere Bezirksorganisation BdA Treptow, wenn die Berliner Sparkasse nicht einlenkt,  jetzt ohne Vereinskonto da. 

Der Bürgermeister des Bezirks Treptow Oliver Igel (SPD) nannte die Verweigerung der Berliner Sparkasse „sehr unerfreulich“ und will sich persönlich an die Sparkasse wenden. Auch Dr Gregor Gysi, seine Eltern wurden als Verfolgte des NS-Regimes lange vom BdA Treptow betreut, wird sich bei der Sparkasse und in der Berliner Politik für den BdA Treptow einsetzen.

Das bedeutet, dass die Vereinsarbeit erheblich behindert wird. Jede*r kann sich ausmalen, was es bedeutet kein Konto zu besitzen. Die Berliner Sparkasse schädigt damit nicht nur die Betreuung der Nachkommen der Opfer des NS-Regimes, sondern auch die äußerst aktive Zivilgesellschaft im Bezirk Treptow in erheblichen Maße.   Dr. Ellen Händler, Vorsitzende des BdA Treptow, sie hat 80 Verwandte  durch die Shoa verloren, ihr Vater konnte den Nazis nur knapp durch einen Kindertransport nach England entkommen, schildert einen Aspekt der Verweigerung der Berliner Sparkasse  –  »Wir sind die Koordinierungsstelle für Stolpersteine im Bezirk, dafür benötigen wir ein Konto, weil wir sonst keine Spenden von Überlebenden oder Hinterbliebenen z.B. aus dem Ausland annehmen können“- der für vieles weitere steht. Der BdA Treptow ist seit Jahrzehnten einer der aktivsten Akteure für antifaschistische Erinnerungspolitik und Demokratiebildung, im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus im Bezirk, mit einen stets wachen Blick auf die Rechtsentwicklung im Bezirk und hat stetig darauf hingewirkt, diesen zurück zu drängen, immer in einem engen Bündnis mit der demokratischen Zivilgesellschaft im Bezirk. Überdies ist die Arbeit des BdA Treptow staatlich als gemeinnützig anerkannt.

 Nicht zuletzt sind viele,  gerade betagte Mitglieder des BdA Treptow, entsetzt und bedrückt über die Zurückweisung und Missachtung ihres Lebenswerkes durch die Sparkasse, gerade in Zeiten, in denen die rasante Rechtsentwicklung und die steigenden Wahlergebnisse der AfD an die Verhältnisse gegen Ende der Weimarer Republik erinnern.

Wir wissen nicht warum die Berliner Sparkasse die Kontoeröffnung verweigert, stellen das „Nobanking“ aber in Zusammenhang mit den zahlreichen „Debanking“- Fällen gegen fortschrittliche Vereine der letzten Zeit. Allein In Berlin sind in den letzten Monaten dem Berliner Landesverband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie dem Kreisverband Weißensee-Hohenschönhausen und VVN-VdA (ehemals Westberlin) die Konten gekündigt worden.

 Wir fordern die Berliner Sparkasse auf,  ihre Entscheidung zu überdenken, diesen Skandal zu beenden und sich nicht in das konservative Rollback gegen engagiertes antifaschistisches, demokratisches Engagement und eine lebendige  Erinnerungspolitik einzureihen. Die Berliner Sparkasse ist auch ein Instrument der Grundversorgung der Berliner Bevölkerung – diesem Auftrag hat sie nachzukommen.

False Flag Aktion?

10. April 2026

Auf der Homepage der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ findet sich seit kurzem als Unterstützer*in eine „Antifa Werkstatt VVN (Berlin)„. Sie missbraucht unseren Namen. Unsere Meinung zu dieser Kampagne ist klar: (…) Die Berliner VVN-BdA e. V. verurteilt die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ und fordert alle ihre Mitglieder auf, diese Kampagne nicht zu unterstützen. Den Vorstand unserer Untergliederung VVN-VdA fordern wir auf, seine Unterstützung zurückzuziehen. (…)

Wir haben einen kuze Mail an die Kampagne geschrieben.

Guten Tag.

Der Vorstand der Berliner VVN-BdA erklärt: Von einer „Antifa Werkstatt VVN (Berlin)“ ist der Berliner VVN-BdA nichts bekannt. Eine solche Struktur existiert nicht innerhalb der Berliner VVN-BdA. Die Berliner VVN-BdA hat sich ausdrücklich von der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ distanziert. Wer immer hier versucht, als „Antifa Werkstatt VVN (Berlin)“ zu firmieren, missbraucht unseren Namen.
Wir fordern Sie daher auf, unverzüglich die „Antifa Werkstatt VVN (Berlin)“ aus der Unterschriftsliste der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ zu entfernen.

Der Vorstand der Berliner VVN-BdA e. V., 8. April 2026

Buchvorstellung:

2. April 2026

Von Henkern und Helden – Guerre, deportazioni, dittature, eroi

Wir freuen uns Guido Lorenzetti Vizepräsident der ANED (Associazione Nazionale Ex Deportati Nei Campi Nazisti) persönlich in Berlin begrüßen zu können.

Mittwoch | 22. April 2026 | 19.00 Uhr (Einlass 18.30)

FMP1 –  Salon

Franz-Mehring – Platz 1, 10243 Berlin- Friedrichshain (Nähe Ostbahnhof)

Guido Lorenzetti
Von Henkern und Helden
Faschismus und Widerstand
Eine Sicht aus der Resistenza

März 2026 – PapyRossa Verlag | Pocketformat, 141 Seiten, € 14,00 [D]  ISBN 978-3-89438-868-3

Guido Lorenzetti, Jg. 1938, ist Publizist und Zeitzeuge, lebt in Mailand.  Er ist Vizepräsident der ANED (Associazione Nazionale Ex Deportati Nei Campi Nazisti -Nationale Vereinigung ehemaliger Häftlinge in nationalsozialistischen Lagern)  und Leitungsmitglied der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR).

In zwölf Skizzen porträtiert der italienische Zeitzeuge Guido Lorenzetti Akteure aus der Zeit von NS-Herrschaft, Krieg und Besatzung. Industrielle und Kriegsgewinnler, den zwiespältige SS-Mann Kurt Gerstein oder ein ›Nazi-Beamter‹, der es im besetzten Dänemark Jüdinnen und Juden ermöglichte, mit Hilfe des Widerstands nach Schweden zu fliehen. Er geht der großen Zahl von Priestern nach, die in Konzen­trationslager verschleppt wurden, oder der Rolle von Frauen als Aufseherinnen. Hierbei stellen sich auch Fragen nach der Unabhängigkeitsbewegung in Triest und Istrien.

Ein persönlich gehaltener Beitrag über seinen Vater Andrea Lorenzetti, der in der Resistenza aktiv war und im Frühjahr 1945 im KZ Mauthausen bei Linz (Österreich) starb, rundet den Band ab.

Und er trägt mit seiner ›italienischen Sicht‹ zu einer sensiblen Debatte bei: Waren die ›Nürnberger Rassengesetze‹ und die NS-Vernichtungspolitik ›Erfindungen‹ des Nazi-­Regimes oder hatten sie ihre Vorläufer im Kolonialismus und im US-amerikanischen Rassismus? Lorenzetti greift Auseinandersetzungen auf, die im Italien Melonis an Brisanz gewonnen haben, so über die Haltung des antifaschistischen Widerstands.

Herausgegeben und mit einem Vorwort von Ulrich Schneider. Aus dem Italienischen von Ulrich Schneider und Philipp Becher.

Veranstalter*innen: Willi Münzenberg Forum, Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kontakt und v.i.S.d.P.: Berliner VVN-BdA e.V. | Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin | Tel.: +49 (0)30 2978 4378 | berlin@vvn-bda.de

Kostenfrei / Um Anmeldung wird gebeten >>> https://pretix.eu/Muenzenberg/resistenza

„Wenn Moskau das so will…“

2. April 2026

Antifa Jour Fixe der VVN-BdA Berlin
Montag, 20. April 2026, 18:30 Uhr, Café Sibylle | Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin-Friedrichshain

Eine Ernst Thälmann Biografie

Lesung mit dem Autor Dr. Ronald Friedmann, im Anschluss Gespräch, moderiert von Susanne Lang

Von August 1925 bis zu seiner Verhaftung im März 1933 stand Ernst Thälmann an der Spitze der KPD, der größten Kommunistischen Partei außerhalb der Sowjetunion, einer Partei, die in diesen Jahren zeitweise bis zu 360.000 Mitglieder hatte und die bei reichsweiten Wahlen bis zu sechs Millionen Wähler mobilisieren konnte.
Hundert Jahre nach dem von der Kommunistischen Internationale in Moskau verfügten Aufstieg Thälmanns an die Spitze der KPD ist es höchste Zeit, einen neuen und differenzierten Blick auf das Leben und Wirken Thälmanns zu werfen.
Thälmann hat durch sein Tun und Lassen den deutschen Parteikommunismus entscheidend geprägt. Mit seinem Namen sind die politischen Erfolge der KPD in den Jahren der Weimarer Republik verbunden. Nach der Machtübergabe an Hitler und die Nazipartei wurde er zum weltweiten Symbol des antifaschistischen Widerstandskampfes. Vor allem jedoch trug Thälmann maßgebliche Verantwortung für die folgenschweren Fehlentwicklungen seiner Partei.

Wie der Historiker Dr. Ronald Friedmann zu diesem Urteil kommt und was ihn bewogen hat, sich in Zeiten des erstarkenden Faschismus in Deutschland ausführlich mit der Biografie Thälmanns zu beschäftigen, wird Gegenstand der Lesung und des anschließenden Gesprächs sein.

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten