Unsere Geschichte

Die Gründung der Berliner VVN

Am 16. / 17. Januar 1948 wurde in den Räumen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (Berliner VVN) gegründet. An der Gründungsversammlung nahmen Delegierte der Naziopfer aller Berliner Stadtbezirke teil. Dem ersten gewählten Vorstand der Berliner VVN gehörten unter anderem an: Walter Barthel (SED) – Vorsitzender, Jeanette Wolff (SPD) – Stellvertreterin, Heinz Galinski (Jüdische Gemeinde) – Stellvertreter, Arnold Munter (SPD) – Stellvertreter. In der Zulassung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und des Berliner Verbandes der Opfer der Nürnberger Gesetzgebung vom 20. November 1947 heißt es unter anderem, dass die Organisationen „[...] von der Alliierten Kommandatura anerkannt und es ihnen gestattet ist, ihre Tätigkeit [...] im ganzen Gebiet von Groß-Berlin auszuüben“.

Das frühe Ende der VVN in Groß-Berlin

Die Teilung Deutschlands und der Kalte Krieg hatten zur Folge, dass schon bald Jeanette Wolff und Heinz Galinski aus der VVN ausschieden, Arnold Munter wurde wegen seiner VVN-Mitgliedschaft aus der SPD ausgeschlossen. 1953 wurde auf Weisung des SED-Politbüros die „Tätigkeit der Organisationen der VVN in der Deutschen Demokratischen Republik und im demokratischen Sektor von Berlin“ eingestellt. Entsprechende Sitzungen der VVN-Gremien fanden am 20. und 21. Februar des Jahres 1953 statt. Somit endete in Groß-Berlin das Wirken der Berliner VVN über die Sektorengrenzen hinweg. Am Ende der Auflösung der VVN im Osten stand die Bildung des „Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR“.

Die VVN Westberlin im Kalten Krieg

Die VVN Westberlin hatte unterdessen infolge des zunehmenden Antikommunismus im Kalten Krieg verstärkt mit staatlicher Repression zu kämpfen. „Stockschläge in die Magengrube“ nannte der damalige Westberliner Innensenator Lipschitz, dessen Frau selbst eine Überlebende des KZ Theresienstadt war, diese Politik. Berufsverbote, Aberkennung von Entschädigungen für die Zeit der Nazi-Verfolgung und Wohnungsräumungen durch die Polizei waren an der Tagesordnung. Auch wenn die VVN Westberlin zu keinem Zeitpunkt verboten wurde, leistete sie ihre Arbeit jedoch über viele Jahre unter den Bedingungen der Illegalität.

Eine neue Generation

Erst durch die 68er Bewegung und das daraus erwachsende Interesse junger Menschen an der faschistischen Vergangenheit Deutschlands erfuhr die VVN neue Aufmerksamkeit. Im Jahre 1976 öffnete sich folglich die Organisation, die bis dahin ein Zusammenschluss von ehemaligen Widerstandskämpfern, Verfolgten des Naziregimes und deren Hinterbliebenen gewesen war, jungen Antifaschistinnen und Antifaschisten und wurde zur Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Westberlin – Verband der Antifaschisten (VVN-VdA).

Die folgenden Jahre waren durch ein Aufleben der antifaschistischen Erinnerungsarbeit geprägt. Mit Gedenkstättenfahrten, lokaler Erinnerungsarbeit und nicht zuletzt durch öffentliche Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wurde das öffentliche Gedächtnis in Westberlin wachgerufen. Gegen den Widerstand der damaligen Westberliner Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien erzählten VVN-Mitglieder vor Schulklassen von ihren Erlebnissen unter dem Faschismus. Zentrale Orte faschistischen Terrors, wie etwa das Gestapo-Gelände in Berlin-Kreuzberg, wurden unter Mitwirkung der VVN-VdA wieder entdeckt.

Tiefe Krise im Westen

Der Zusammenbruch der sozialistischen Länder, insbesondere der DDR, im Jahre 1989 hatte auch für die VVN-VdA erhebliche Folgen. Die VVN-VdA, in der überwiegend kommunistische Antifaschistinnen und Antifaschisten organisiert waren, hatte über viele Jahre erhebliche finanzielle Zuwendungen aus der DDR erhalten und sich damit auch in eine politische Abhängigkeit von der DDR und der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) begeben. Als im Jahre 1990 ein neuer und frei von Einflussnahmen Dritter gewählter Vorstand die Leitung der Organisation übernahm, sah er sich vor einem finanziellen und organisatorischen Desaster, das das Weiterbestehen der VVN-VdA in Frage stellte.

Gründerzeit im Osten

Die im November 1989 in Deutschland eingetretene Entwicklung führte aber auch dazu, dass Antifaschistinnen und Antifaschisten aus dem Osten Deutschlands Wege suchten, um gemeinsame Arbeit junger und alter Antifaschistinnen und Antifaschisten zu ermöglichen. So wurde im Mai 1990 am Bogensee nahe Berlin der „Bund der Antifaschisten“ (BdA) gegründet. In Ostberliner Stadtbezirken entstanden Mitgliedsorganisationen des BdA, die sich zum BdA (in) Berlin zusammenschlossen. Parallel zum BdA ging 1990 in Ostdeutschland der „Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener“ (IV VdN) aus dem ehemaligen „Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR“ hervor und damit auch dessen Berliner Mitgliedsorganisation „Berliner Vereinigung ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener“ (BV VdN).

Wieder vereint

In der Folgezeit schloss sich die Westberliner VVN-VdA dem BdA Berlin an, der BdA Hohenschönhausen/Weißensee und der BdA Pankow traten der VVN-VdA bei, die erst 1996 zum Berliner Landesverband der westdeutschen VVN-BdA wurde. Es gab dann mehrfach Versuche zur Bildung einer gemeinsamen Berliner Organisation, die jedoch mit steter Regelmäßigkeit scheiterten.

Im Jahre 2000 schlossen sich die Dachverbände der IVVdN und des BdA zum VVdN-BdA zusammen, um, wie es in einer gemeinsamen Willenserklärung hieß, den Weg für eine gesamtdeutsche generationsübergreifende antifaschistische Organisation vorzubereiten. Während sich folgerichtig in anderen ostdeutschen Bundesländern die Organisationen auch auf Landesebene zusammenschlossen, blieb dieser Schritt in Berlin aus.

Unterdessen verständigten sich die VVN-VdA Westberlin und der BdA (Ost-)Berlin auf einen gemeinsamen Landesverband. Eine Berliner Delegiertenkonferenz wurde für den 28. September 2002, eine Woche for dem gesamtdeutschen Bundeskongress, einberufen. Einstimmig beschlossen die Delegierten aus Ost und West im Betsaal des ehemaligen jüdischen Waisenhauses in Berlin-Pankow die Satzung der VVN-BdA Berlin.

Die Eintragung der Satzung in das Vereinsregister erfolgte am 21. Februar 2003 – auf den Tag genau 50 Jahre nach der durch die SED angewiesene Selbstauflösung kann die VVN ihr Wirken in Groß-Berlin fortsetzen…