Stellungnahme: Lichtenberger AfD verleumdet Nachfahrin von Holocaustopfern

23. Februar 2026

18. Februar 2026

Gemeinsame Stellungnahme der VVN-BdA Lichtenberg e.V. und der Berliner VVN-BdA e.V.

Der 27. Januar ist der Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, er ist der Tag, an dem wir der Opfer des Faschismus gedenken.

Auf Antrag der Parteien Die Linke und der Grünen wurde am 22. Januar in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg behandelt, dass sowohl am 27. Januar als auch am 9. November, dem Gedenktag an die Reichsprogromnacht 1938 das bezirkliche Gedenken von einem Verein organisiert wird, damit die AfD qua Hausrecht nicht eingeladen werden muss und sie bei Erscheinen des Platzes verwiesen werden kann.

Das Mitglied des Berliner Landesverbandes der VVN BdA Elke Tischer hat anlässlich dieses Antrages eine Rede in der BVV gehalten. Elke Tischers Familie väterlicherseits wurde aus Mühlheim/Ruhr in das von den Faschisten besetzte Ostpolen deportiert und dort im Vernichtungslager Sobibor vergast. Ihr Vater überlebt nur, da er im Rahmen der sogenannten Kindertransporte nach Großbritannien ausreisen konnte. Elke sagte in ihrer Rede:
„Nun gibt es aber Menschen in diesem Land, die unter diese Geschichte einen Schlussstrich ziehen wollen. Und viele dieser Menschen finden sich in der AfD. Und dies nicht zufällig, denn in ihrem Grundsatzprogramm fordert die Partei ‚Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen‘. Was damit gemeint ist, hat Björn Höcke in seiner Rede im Januar 2017 deutlich gemacht, als er eine ‚erinnerungspolitische Wende um 180 Grad‘ forderte. Was sollen Nachkommen von Überlebenden des Holocaust, von Widerstandskämpfer*innen gegen den NS von solchen Aussagen halten?
Wie sollen sie damit umgehen, dass Menschen, die die Ermordung ihrer Familienangehörigen, die Verfolgung ihrer Eltern und Großeltern relativieren und verharmlosen, mit ihnen gemeinsam der Opfer des Naziregimes gedenken wollen? Ich kann Ihnen sagen, wie sich das anfühlt: Ich denke sehr oft an meine Großmutter, die ich nie kennengelernt habe, weil sie sich im April 1942 einfinden musste zum Transport in den Osten, der sie über Izbica in die Gaskammern des Todeslagers Sobibor brachte. Und ich denke an meinen Vater, der als Zwölfjähriger Deutschland verlassen musste, um zu überleben. Er kehrte als 18-jähriger britischer Soldat in seine deutsche Heimat zu zurück, um für ein besseres, demokratisches und antifaschistisches Deutschland einzutreten.
Für ihn wäre es genauso unerträglich wie für mich, bei einem Gedenken an die Opfer der NS-Zeit neben Menschen zu stehen, die mit ihrer Mitgliedschaft in einer Partei ihre Verharmlosung und Relativierung der Naziverbrechen zum Ausdruck bringen. Dieser Geschichtsrevisionismus ist es, der uns fordern lässt: Kein Gedenken mit der AfD!“

Der Antrag wurde in der BVV mehrheitlich angenommen.

Fünf Tage später, am Gedenktag des 27. Januar, postet die AfD Lichtenberg zu diesem Antrag und zu unserer Kameradin unter anderem: „Da durfte eine ‚Bürgerin‘ – natürlich vom Verein VVN/BdA – als Hasspredigerin gegen die AfD auftreten.“ Dass eine Nachfahrin von Holocaustopfern als Bürgerin mit Anführungsstrichen durch die AfD ausgebürgert, ihr konkreter Bezug zum Thema verschwiegen und sie stattdessen als „Hasspredigerin“ verleumdet wird, zeigt, wie wichtig der Antrag war und wie wichtig es ist, dem Faschismus massiv entgegenzutreten.

Kein Gedenken mit der AfD!Kein Fußbreit dem Faschismus!

VVN-BdA Lichtenberg und Berliner VVN-BdA

Rede BVV LichtenbergHerunterladen