Offener Brief: Kein Gedenken an die Opfer des Naziregimes zusammen mit der AfD!

17. Dezember 2024

2025 jährt sich die Befreiung vom deutschen Faschismus zum 80. Mal und damit auch das Gedenken an seine Opfer. Wir sagen: Zeigen Sie Haltung! Kein Gedenken an die Opfer des Naziregimes zusammen mit der AfD!

Aus dem Offenen Brief:
„Nicht nur am 27. Januar nehmen immer wieder AfD Politiker*innen an Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Naziregimes teil. Seit Jahren sagen Überlebende und Antifaschist*innen, was inzwischen auch der Verfassungsschutz „im Verdacht“ hat: die AfD ist rechtsextrem!
Die Teilnahme der AfD an Feierlichkeiten in Gedenken an die Opfer des deutschen Nationalsozialismus und in Erinnerung an die faschistischen Verbrechen bleibt nicht länger unwidersprochen: Mutig stellen sich Gedenkstättenmitarbeiter*innen und Zeitzeug*innen, Antifaschist*innen und demokratische Bürger*innen den Rechten von der sogenannten „Alternative“ in den Weg.

Wir appellieren daher heute noch einmal an Sie: Laden Sie die AfD vom Gedenken aus!“

Komplett lesen: Offener Brief „Kein Gedenken an die Opfer des Naziregimes zusammen mit der AfD!“

Frieder Böhne, einer der fehlen wird.

7. März 2025

Antifa jour fixe der Berliner VVN-BdA
Montag | 17. März 2025 | 18.30 Uhr | Café Sibylle,
Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin

Ende Januar ist unser langjähriger Weggefährte und engagiertes Mitglied Frieder Böhne verstorben. Stets ging es ihm darum, die Vereinigung als überparteiliche und strömungsübergreifende antifaschistische Organisation zu stärken. Stets war es ihm wichtig, die Orte und Anlässe zu nutzen, um Menschen mit der Geschichte vertraut zu machen und sie zu antifaschistischem Handeln anzuregen.

Seit 1987 in Berlin, setzte sich der gebürtige Braunschweiger über Jahrzehnte und bis kurz vor seinem Tod für die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis und ihrer Opfer in Berlin ein. Seine erste Wohnung in Kreuzberg befand sich im ersten Stock eines Eckhauses Yorckstraße/Hornstraße. Im Keller des Hauses befand sich 1933 ein Folterkeller der Nazis. Die Erforschung und Sichtbarmachung der Verbrechen der Nazis und der von ihnen verfolgten und sich widersetzenden Menschen wurde das Thema seines Lebens. Auf sein Engagement gehen viele erinnerungspolitische Projekte zurück. So war er u.a. Mitherausgeber mehrerer Bücher über Verfolgung und Widerstand im NS, setzte sich für Gedenktafeln ein – auf sein führendes Engagement auch als Mitglied der bezirklichen Gedenktafelkommission, gehen die Gedenktafeln in Kreuzberg für den „Gutschow-Keller“ in der Friedrichstraße, den von den Nazis ermordeten Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann, den Widerstandskämpfer Karl Behrens und den Widerstandskämpfer und VVN-Aktivisten Wolfgang Szepansky zurück. Auch zahlreiche Gedenkveranstaltungen unserer Vereinigung tragen Frieders Handschrift, noch 2022 und 2023 initiierte er mehrere erinnerungspolitische Veranstaltungsreihen.

Antifa jour fixe der Berliner VVN-BdA
Montag | 17. März 2025 | 18.30 Uhr | Café Sibylle,
Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin

Sein Tod hinterlässt eine große Lücke. Den Jour Fixe im März möchten wir Frieder und seinem antifaschistischen Wirken innerhalb und außerhalb unserer Vereinigung widmen. Angesichts der Fülle seiner Aktivitäten werden wir uns auf einen Überblick seines Engagements konzentrieren, aus dem wir zwei Projekte etwas genauer darstellen werden.

Anlässlich seines 70. Geburtstages im nächsten Jahr planen wir eine Publikation zu seinen Ehren.

Frieders Beerdigung findet am findet am Freitag,
dem 21.März . 2025 um 11.00 Uhr auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof Großgörschenstraße 12-14, 10829 Berlin statt

Wir trauern um Kurt Hillmann (1933 – 2025)

5. März 2025

„Also, alles war so ziemlich jüdisch und revolutionär dazu! (…) Natürlich sollte ich einen Stern tragen, aber mein Vater hat gesagt: Dat wird nischt getragen!“
Kurt Hillmann in einen Interview über seine Familie und Kindheit in Berlin

Liebe Freund*innen,
wir trauern unser Mitglied, unseren Freund und Kameraden Kurt Hillmann. Er ist am Freitag, dem 28. Februar 2025 gestorben.

Kurt wurde 1933 als Sohn einer jüdischen Polin und eines Deutschen in Berlin geboren. Prägend für ihn waren seine frühen Erfahrungen mit Antisemitismus und den anderen Verbrechen der Nazis. Auf dem Schulweg wird er regelmäßig von Mitgliedern der Hitlerjugend verprügelt. Aber auch Solidarität und Widerstand prägten schon seine Kindheit. In ihrer Wohnung in der Nähe des Alexanderplatzes bringt die Familie, sein Vater ist Kommunist, regelmäßig Verfolgte unter. Der blonde kleine Kurt Hillmann begleitet die jüdischen Bekannten mit dem Zug aus der Stadt, zum nächsten Versteck. Sein Leben ist vom Krieg geprägt: Bombenangriffe, Fliegeralarm, brennende Häuser. 1944 soll er in ein Heim für »Mischlingskinder« nach Österreich,doch Dank der guten Kontakte seines Vaters zum Bezirksamt kam er auf eine Liste für tuberkulosekranke Kinder und überlebte in einer Kinderheilanstalt im Allgäu die Schoa.  Die gesamte Familie mütterlicherseits wurde zunächst ins Ghetto Lodz deportiert und dann im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Der Bruder des Vaters, Otto Hillmann, wurde im KZ Sachsenhausen ermordet. Zwei seiner jüdischen Schulfreunde, Gerd Abraham und Lutz Knobloch, wurden mit ihren Familien ins Ghetto Minsk und ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Die deutsche Kriegsgeneration war aus Kurts Sicht eine Generation von Lügnern. Die Lastwagen der Polizei und SS hätten vor aller Augen begonnen, die Menschen abzutransportieren. Komisch war nur, ich war der einzige, der dit jesehn hat“

Wir haben Kurt als klugen und unermüdlichen Zeitzeugen, z.B. als Redner auf unserer Gedenkundgebung am 9. November, als Antifaschisten und Mahner gekannt und geliebt.  Sein  Resume gegen Ende seines langen Lebens war etwas bitter:  „Ich habe das Empfinden, die Zeit läuft rückwärts. Es ist gut, dass die Menschen auf die Demos gegen Rechtsextremismus gehen. 1,5 Millionen Menschen deutschlandweit, das sind  viele. Aber wir sind über 80 Millionen. Wo sind die anderen?“
Lieber Kurt, möge die Erde dir leicht sein. Lieber Kurt, wir machen weiter

In Teil 2 unserer  Broschürenreihe „Fragt uns, wir sind die Letzten“ – Erinnerungen von Verfolgten des Nationalsozialismus und Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand, findet sich ein längers Interview mit Kurt Hillmann. Hier könnt ihr es nachlesen und es finden sich auch einige Bilder.

Ihr könnt die Broschüre bei uns im Büro erhalten, ihr findet sie auf unseren Büchertischen und gegen eine Spende senden wir sie gerne zu

Antifaschistische Perspektiven gegen rechten Wandel stärken!

26. Februar 2025

Cornelia Kerth, Florian Gutsche, Bundesvorsitzende der VVN-BdA

Wie zu erwarten war, wird der nächste Bundeskanzler wohl Friedrich Merz heißen. Mit seiner Wutrede nur einen Tag vor der Wahl hat er noch einmal ganz deutlich gemacht, was wir von ihm zu erwarten haben: alles, was den Rechts-Wähler freut. „Es gibt keine linke Politik mehr in Deutschland“ ist allerdings eine Ansage weit über die zu erwartende rechte Regierungspolitik hinaus. Immerhin haben ihm deutlich weniger als 30 Prozent der Wähler:innen in ihre Stimme gegeben. Wenn er noch am Wahlabend von der SPD verlangt, sie solle „im Interesse Deutschlands“ sein explizit rechtes Programm als Koalitionspartner mit umsetzen, die Wähler:innen hätten den „Wandel“ gewählt, droht er mit der „Alternative“, die er rhetorisch immer wieder ausgeschlossen hat.
Die Berichterstattung vor der Wahl und am Wahlabend markiert bereits einen Wandel im Umgang der öffentlich-rechtlichen Medien mit der AfD, die mit der selbstverständlichen Beteiligung der AfD an allen Formaten der Normalisierung der neuen Nazi-Partei den Weg gebahnt haben.
Zum Glück für alle, die Merzens Kanzlerschaft fürchten müssen, gibt es auch in Zukunft antifaschistische Perspektiven in Deutschland: Im Parlament und auf der Straße!
Alerta antifascista: Schließt Euch fest zusammen, leistet Widerstand gegen die Rechte im Land!

Offener Brief zur Podiumsdiskussion am 11. Februar 2025 mit der AfD am Hans und Hilde Coppi Gymnasiun

6. Februar 2025

5. Februar 2025

Sehr geehrte Schulleitung des Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasiums,

über das Internet haben wir erfahren, dass Sie am 11. Februar 2025 eine Podiumsdiskussion zur anstehenden Bundestagswahl durchführen wollen, zu der Sie auch Beatrix von Storch von der extrem rechten AfD eingeladen haben.
Als Lichtenberger Verband der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten), dem größten überparteilichen Zusammenschluss in Deutschland von Verfolgten des Naziregimes, Widerstandskämpfer:innen und Antifaschist:innen aller Generationen, möchten wir dazu Stellung nehmen:

Ihre Schule ist nach den kommunistischen Widerstandskämpfern Hans und Hilde Coppi benannt, die Widerstand leisteten und von den deutschen Faschisten hingerichtet wurden. Ihr Sohn, Dr. Hans Coppi, war von 2004 bis 2017 Vorsitzender der Berliner VVN-BdA und ist seit 2017 unser Ehrenvorsitzender. Hans Coppi beteiligte sich im Februar 2024 an einer gemeinsamen Erklärung von 286 Nachfahren von Widerstandskämpfer:innen gegen das NS-Regime, in der dazu aufgerufen wurde, „aus der Geschichte zu lernen und die Demokratie zu stärken“. Die Nachkommen, darunter auch von Dietrich Bonhoeffer oder Claus Schenk Graf von Stauffenberg, riefen explizit dazu auf, unsere Demokratie gegen die AfD zu verteidigen.

Die AfD auf ein Podium einzuladen, bedeutet, einer Partei den roten Teppich auszurollen, die das Gedenken an Hans und Hilde Coppi tagtäglich mit den Füßen tritt und es schlussendlich tilgen will. Bereits 2017 forderte Björn Höcke eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Der Ehrenvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, hat die Verbrechen, die in der Zeit des Nationalsozialismus begangen wurden, mehrfach relativiert. Beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach im Jahr 2018 sagte Gauland: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“.

Die AfD ist offen geschichtsrevisionistisch. Sie spricht vom deutschen „Schuldkult“, der angeblich dazu diene, die Deutschen zu unterdrücken und sie auf die Verbrechen des Holocausts und des Nationalsozialismus zu reduzieren. Die AfD bewegt sich kontinuierlich zwischen Verharmlosung des deutschen Faschismus und erinnerungspolitischen Tabubrüchen. Aus diesem Grund ist auch die auf dem offiziellen Wahlkampfauftakt der AfD von US-Milliardär Musk getätigte Aussage, dass Deutschland „zu viel Fokus auf vergangene Schuld“ lege, nicht überraschend. Die AfD ehrt hingegen die Täter. Wie die Zeitung „Welt“ Ende letzten Jahres berichtete, haben mehrere AfD-Politiker und Gliederungen der Partei zum Volkstrauertag 2024 an die nationalsozialistische Tradition des „Heldengedenkens“ angeknüpft. In den Veranstaltungen wurden die Wehrmacht und deren Vernichtungskrieg im Osten glorifiziert.


Mit der Einladung der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch holen Sie sich zudem das führende Parteimitglied ins Haus, deren Familie Teil des verbrecherischen Systems der Nazis war. Nikolaus von Oldenburg, der Großvater von Beatrix von Storch, brachte es in der SA zum Standartenführer. Zudem war er NSDAP-Mitglied. Den Vernichtungskrieg von Wehrmacht und SS wollte er nutzen, um seinen Clan zu bereichern. In einem Brief an den „Reichsführer SS“, Heinrich Himmler, im Jahr 1941 fragte er an, ob die „Möglichkeit des Ankaufs größerer Güter im Osten nach Kriegsende für [ihn] gegeben [sei].“ Der Ex-Großherzog schien offenbar zu wissen, dass die Nazis weite Teile Osteuropas entvölkern wollten – und dass der „Reichsführer“ der Mann war, der den Mordplan umsetzen würde. Diese Anbiederung an die deutschen Faschisten war durchaus typisch für den nord- und ostdeutschen Adel. Die meisten Adligen empfanden die Nazis als nützlich – schließlich lehnten beide Gruppen die Republik mit ihrer Demokratie und ihren Parteien ebenso ab wie den Parlamentarismus. Ihr anderer Großvater war Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, der von 1932 bis 1945 als Reichsfinanzminister amtierte. Er wurde 1949 als Kriegsverbrecher zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Beatrix von Storch ist eines der bekanntesten Gesichter der extrem rechten AfD. Sie ist darüber hinaus eine umtriebige Lobbyistin in christlich-fundamentalistischen Kreisen und lobbiiert vor allen Dingen gegen die körperliche Selbstbestimmung der Frau. Sie sitzt seit 2017 für die AfD im Bundestag und vergiftet dort mit ihrer Fraktion den politischen Diskurs. Das Dokument, in dem der Verfassungsschutz 2019 „Anhaltspunkte für eine gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung ausgerichtete Politik der AfD“ sammelte, enthielt fünf Zitate von Frau von Storch.


Eine Beteiligung extrem rechter Parteien oder Parteimitglieder auf Podien ist kein Akt demokratischer Kultur, sondern normalisiert extrem rechte, menschenverachtende Positionen. Die AfD ist eine extrem rechte Partei, die kontinuierlich demokratische Strukturen delegitimiert, die Gleichheit aller Menschen negiert und deren Akteure sich immer wieder menschenverachtend äußern. Beatrix von Storch selbst forderte 2016 den Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge an der Grenze. Mit dem Namen der Schule ist eine hohe moralische Verantwortung verbunden. Diese spielte auch bei der Namensgebung im Jahr 1994 eine überragende Rolle. So möchten wir an die damalige offizielle Selbstdarstellung der Schule erinnern:

„Die Wahl des Schulnamens war eine Entscheidung für Menschen mit Mut, für junge Leute, die Unrecht nicht hinnahmen, die nicht wegschauten, die sich verbrecherischer Gewalt entgegenstellten und von den Faschisten hingerichtet wurden. (…) Denn ein Schulname wird mit Bedacht gewählt, darf keine Formalität werden und sollte im Schulalltag präsent sein.“


Auch Sie als haben als Schulleitung die Aufgabe, die mit dem Namen der Coppis verbundenen Werte weiter zu tragen. Ansonsten wird aus dem Namen der Schule eine inhaltsleere Hülle und das Andenken an Hans und Hilde Coppi mit Füßen getreten. Wir fordern Sie auf, die unsägliche Teilnahme der extrem rechten AfD abzusagen, damit kein Schaden am Gedenken an Hans und Hilde Coppi entsteht.

Mit freundlichen Grüßen


Vorstand der VVN-BdA Lichtenberg

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